August 2009
Neu sind alle aktuellen Termine der Unia Jugend Bern unter dieser Seite auf einen Blick zu besichtigen:
Gegen ein System, welches auf der Ausbeutung der Allgemeinheit zugunsten von einigen Wenigen basiert! Für eine Alternative, in der die Bedürfnisse des Menschen im Zentrum stehen! Eine Alternative in der kein Mensch unterdrückt wird, sondern sein Leben selbst in die Hand nehmen kann!
19. September 2009
GROSSDEMONSTRATION
13.30 Uhr Schützenmatte, Bern
An die Demonstration fahren Gratis-Busse und Züge aus der ganzen Schweiz: Abfahrtszeiten Busse und Züge
Liebe Freunde einer solidarischen Gesellschaft
„Die Frage des Ausstiegs aus dem Kapitalismus war nie aktueller als heute.“ So zitiert die WoZ den 2007 verstorbenen Philosophen Andre Gorz. 2007 schien diese Analyse den meisten noch realitätsfremd und sozialromantisch. Zwei Jahre – und eine Finanz- und Wirtschaftskrise später hat diese Analyse die Massenmedien erreicht. „Niemals ist der Widerspruch von Kapital und Arbeit eklatanter geworden“, schreibt etwa Die Zeit. „Der Kapitalismus ist ein sehr, sehr ungerechtes System“, bemerkt Der Bund. Die Kritik am Kapitalismus häuft sich in den Diskussionen. Nie schien die Zeit reifer für grundlegende Veränderung. Doch was passiert?
Nichts. Alle reden davon. Niemand tut was.
Während Banken mit Milliarden unserer hart erarbeiteten Gelder am Leben gehalten werden, dürfen wir nun “den Gürtel enger schnallen”, wir werden massenhaft entlassen, oder sehen uns mit Kurzarbeit konfrontiert. Wieder einmal hat der Staat Banken und Managern unter die Arme geholfen, während wir Arbeiter_innen später erfahren dürfen, dass Banken wieder Gewinne schreiben und Bonis ausschütten. Ein strahlender Herr Ackermann verkündet in bester Laune, die Deutsche Bank werde bald wieder 25% Rendite einfahren, während Ex-UBS-Verwaltungsrat Hans-Rudolf Merz sich nicht sicher ist, ob die UBS nun wirklich die Verfahrenskosten für die Verhandlungen mit der USA zahlen sollte. Sogar die kleinste Regulierung der UBS wird von unseren „Volksvertretern“ abgeschmetttert. Wer hat eigentlich das Sagen in unserem ach so demokratischen Land? Und wer auf dieser Welt?
Die Politik zögert, faselt etwas von „es gibt ja keine Alternative“, ohne jemals die Idee zu haben, sich auf die Suche nach Alternativen zu machen. Wie sollte sie auch? Was ist sie mehr als das demokratische Feigenblättchen der Diktatur des Marktes? Ohnmächtig, oder ungewillt etwas zu verändern schaut sie zu, wie sich der Finanzmarkt wieder etabliert und das Spiel von Neuem beginnt. Hiess es nicht mal „Game Over“?
Wo Manager den Kies in die eigene Tasche leeren und Politiker lieber den Kopf in den Sand stecken, gibt es nur eine Kraft, welche die Solidarität zurück in die Gesellschaft bringen kann: Die Kraft der Strasse, die Kraft einer empörten Bevölkerung, welche ihre Empörung nicht in sich hineinfrisst, sondern nach aussen trägt. Die Kraft einer Bevölkerung, welche die Kritik vom Papier auf die Strasse bringt. Wir können die Verantwortung niemandem abschieben. Es liegt an uns.
Wir glauben, dass nur eine breite und vielfältige Bewegung, der direkte Protest aus der Bevölkerung ein Umdenken herbeiführen kann. Ein Umdenken hin zu einer Wirtschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen im Zentrum stehen und Solidarität kein Fremdwort mehr ist!
Erstmals bietet sich diese Gelegenheit am 19. September 2009 in Bern: Der Schweizerische Gewerkschaftsbund ruft dazu auf, ein Zeichen zu setzen, dass die Bevölkerung nicht beliebig mit sich spielen lässt. Mit einer offenen Mobilisierung soll eine Grossdemo stattfinden, um Veränderung in Bewegung zu setzen. Die Unia Jugend mobilisiert für diese Demonstration und ruft Gewerkschafter_innen, Verbände, Parteien, ausserparlamentarische Kräfte, Empörte, Betroffene, Wütende, Enttäuschte, Interessierte und dich dazu auf, an dieser Demonstration teilzunehmen!
Deshalb: Auf die Strasse am 19. September! Gegen ein System, welches auf der Ausbeutung der Allgemeinheit zugunsten von einigen Wenigen basiert! Für eine Alternative, in der die Bedürfnisse des Menschen im Zentrum stehen! Eine Alternative in der kein Mensch unterdrückt wird, sondern sein Leben selbst in die Hand nehmen kann!Wir haben ein ganzes Leben vor uns – gestalten wir es lebenswert!
*********************************************************
Besammlung Jugendblock: Samstag, 19.9.09, 13.30 Uhr, Schützenmatte Bern
*********************************************************
Wichtig: An die Grossdemonstration fahren zahlreiche, kostenlose Busse und Züge aus der ganzen Schweiz. Bitte melde dich vorher bei deinem Unia Sekretariat an.
Liste der Unia Sekretariate | Abfahrtszeiten Busse und Züge
Material: Unia Jugend Plakate “KRISE” (PDF)

Über die Verrohung von Jugendlichen:
Der Kult des Selbstbewusstseins und seine unerwünschten Früchtchen
Die Übergriffe von München waren kein Einzelfall. Immer neue Rohheiten werden dem fassungslosen Schweizer Publikum vorgelegt. Bei jeder neuen Brutalität stürzt sich die Öffentlichkeit erneut auf das Thema. Beliebtester Tenor: „Schluss mit der Kuscheljustiz der Schweiz. Hier hilft nur noch Wegsperren, militärischer Drill und Ausweisen. ,Kurzer Prozess’ gehört sich mit diesen Rechtsbrechern mit und ohne „Migrati-onshintergrund“ gemacht. Wer nicht hören will, muss fühlen; und das schnell, dauerhaft und gnadenlos….“
Gedanken über Art und Grund der Verwahrlosung von in- und ausländischen Kids – Fehlanzeige. Dass dieser schlägernde Nachwuchs häufig noch aus den „bildungsfernen Schichten“ kommt, dass er nicht selten mit dem Realschul- oder gar keinem Ausweis aus der Schulpflicht entlassen wird und seine Lebensperspektive folglich zwischen schlecht bezahlten Jobs und Arbeitslosigkeit liegt, wird dabei gar nicht verschwiegen.
Einen gesellschaftlichen Grund will darin dennoch niemand sehen. Eher schon will man Familien, Erzieher, Jugendämter und Richter für ein Versagen haftbar machen: Ihnen soll es an Härte in der Erziehung, Betreuung und Verurteilung mangeln. Besonders, wenn die Täter auch noch aus der “Mittelschicht” stammen, wie im Münchner Fall. Natürlich stehen auch die Killergames wieder am Pranger. Das war es dann: Der starke Staat soll‘s richten. Wie? Natürlich mit dem vermehrten Einsatz seiner Staats-Gewalt.
Das geht mit Sicherheit an der Sache vorbei: Denn wo auf der einen Seite immer grössere Teile der Jugend vom Reichtum der Gesellschaft ausgeschlossen werden und als Ausschuss ausgegrenzt werden, wo auf der anderen Seite Anerkennungswahn und Selbstbewusstseinskult zum nationalen Erziehungsprogramm gehören, da sollte man sich über Jugendliche nicht wundern, die ihrem eingebildeten Recht auf Erfolg mit Gewalt Nachdruck verleihen: „Wir wollten auch mal mächtig sein!“, verkünden sie. Auch das haben sie nämlich in dieser Gesellschaft gelernt: Als Gewinner gilt hierzulande nur der, der andere zu Verlierern macht – mit welchen Roh- und Gemeinheiten auch immer.
Referent:
Dr. Freerk Huisken ist emeritierter Professor der Universität Bremen. Er ist Politologie, Psychologe und Erziehungswissenschaftler.
