September 2009

[24 Sep 2009 | Kein Kommentar | Tags: ]

Anlässlich der Unia Grossdemonstration vom vergangenem Samstag, dem 19. September, formierte sich ein Block mit etwa 500 Personen, der einerseits als Jugendblock, aber auch als Block für verschiedenste antikapitalistische Gruppierungen auftrat.

Beim Unia Jugend-Standort vor dem Bundesplatz spielte der Berner Rapper Chococolocococo. Anschliessend kehrte der Block in einem friedlichen Umzug durch die Stadt zurück zur Schützenmatte wo ein Fest mit den Künstlern Mer2we, Martin Zobel und Holger Burner stattfand und ein Infotisch des Infoladen Berns, sowie auch der FreieArbeiterInnenUnion/FAU Bern vorhanden war.

Die Unia Jugend wollte als Teil der Gewerkschaft eine Perspektive in die Krisenpolitik der Unia bringen, die sich nicht nur darauf beschränkt, zu dem Zustand vor der Krise zurückzukehren, sondern das Problem an der Wurzel packen will: Was wir brauchen, ist nicht der Zustand vor der Krise, sondern einen generellen Systemwechsel!

Jetzt einfach neoliberale Exzesse in den oberen Rängen der Finanzwirtschaft für die Wirtschaftskrise verantwortlich zu machen, ist ein fataler Fehler. Eine Marktwirtschaft, die auf kapitalistischen Prinzipien basiert, wird immer wieder Krisen für die Lohnabhängigen schaffen. Denn Gewinnmaximierung wird in dieser Marktwirtschaft immer Vorrang haben vor dem Wohl der Menschen – mal mehr, mal weniger, je nach wirtschaftlicher, gesellschaftliche und politischer Lage.

Wir belassen es daher nicht bei absolut verständlichen Forderungen nach tieferen Löhnen in den Chefetagen, der Abschaffung von Bonis, oder der Verlängerung der Kurzarbeit zur Verhinderung von (Massen)entlassungen. Wir greifen immer auch das Problem an seinen Wurzeln an: Die Ausbeutung der Lohnabhängigen muss ein Ende haben! Denn eines ist klar: Dieses System bietet keine sichere Perspektive und verunmöglicht eine lebenswerte, solidarische Gesellschaft.

Nicht die Minimierung der Ausbeutung, sondern deren ganzheitliche Abschaffung sollte angestrebt werden!

Und damit ein Leben geschaffen werden, in dem kollektive Produktionsarten, solidarische Umgangsformen und selbstbestimmtes Arbeiten möglich ist!

Wir sehen diese Demonstration als einen Startschuss für eine Bewegung!

Für eine Alternative, in dem die Bedürfnisse des Menschen im Mittelpunkt stehen!

Wir haben noch ein ganzes Leben vor uns, gestalten wir es lebenswert!

Systemwechsel jetzt!

[22 Sep 2009 | Kein Kommentar | Tags: ]


Tagesschau vom 19.09.2009

weitere Bilder des Jugend- und revolutionären Blocks:

COMMUNIQUE DER UNIA

Mindestens 30‘000 Menschen, bedeutend mehr als von den Gewerkschaften erwartet, haben heute in Bern für eine politische Wende demonstriert. Sie setzten ein überdeutliches Zeichen an Bundesrat und Parlamentsmehrheit, die Krise endlich zu bekämpfen, statt sie zu verlängern!

Die eindrückliche und farbenprächtige Demo stand unter dem Motto „Arbeit, Lohn und Rente sichern”. Unverzüglich soll die Politik nun Massnahmen zur Sicherung der Arbeit verabschieden: ein umfassendes Konjunkturprogramm und wirksame Massnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit schnüren, den unsinnigen Sparkurs beenden, die Kurzarbeit auf 24 Monate verlängern. Mit Nachdruck verlangt wurde auch die Sicherung der Kaufkraft: durch Lohnerhöhungen von 80 bis 120 Franken im nächsten Jahr, durch Erhöhung und längeren Bezug der Arbeitslosen-Taggelder während der Krise, durch sofortige Rückerstattung der CO2-Abgabe und den vollen Ausgleich der massiv steigenden Krankenkassenprämien für tiefe und mittlere Einkommen. Entschieden sagten die Demonstrierenden zum dritten jeglichem Abbau bei AHV und Zweiter Säule den Kampf an.

Nach der heutigen Demo ist klar: Die Menschen in diesem Land wollen eine andere Politik als Bundesrat und Parlamentsmehrheit. Sie haben genug von einer Politik, wie sie der Nationalrat anfangs der Woche gezeigt hat, als er das ohnehin bereits lächerlich magere Programm einer konjunkturellen Stützung zum nackten Huhn gerupft hat – angesichts der täglichen Schreckmeldungen von Entlassungen ein blanker Hohn. Die Menschen haben es satt, eine Krise, die sie nicht verursacht haben, doppelt zu bezahlen: durch Verlust des Arbeitsplatzes und Abbau der sozialen Sicherheit. Sie haben es satt, dass die Politik jedes Mal spurt, wenn die Manager pfeifen. Sie haben genug von den Anmassungen der Chefboni-Bezüger, die nach einem tiefen Taucher sich wieder in altgewohnter Arroganz bemerkbar machen. Die Gewerkschaften werden, nach dieser eindrücklichen Demonstration gestärkt, mit den Menschen zusammen für die Sicherung von Arbeit, Lohn und Renten und gegen Profit und Gier kämpfen, an den Arbeitsplätzen und auf der politischen Bühne.

Die nationale Demonstration „Arbeit, Lohn und Rente sichern” ist vom SGB und seinen ihm angeschlossenen Gewerkschaften organisiert und von allen übrigen grossen Arbeitnehmer-Verbänden sowie von SPS, den Grünen und weiteren Organisationen unterstützt worden.

[21 Sep 2009 | Kein Kommentar | Tags: ]

Donnerstag | 8.10.2009 | 19:30 Uhr | Bern | Gewerkschaftshaus | Monbijoustrasse 61

[21 Sep 2009 | Kein Kommentar | Tags: ]

Frauen im Kapitalismus: Gleich berechtigt, anerkannt und kein bisschen besser dran.

Donnerstag | 5.November | 20 Uhr | Bern |
Hotel Bern (Lage) | www.unia-jugend-bern.ch

So ziemlich alle Welt ist sich einig: Um Frauen muss sich in unserer Gesellschaft besonders gekümmert werden; dieser Teil der Menschheit benötigt eine besondere Betreuung. Die wird ihr auch lebhaft zuteil: Noch jede gesellschaftliche und politische Organisation lobt sich dafür, Frauen besondere Berücksichtigung zuteil werden zu lassen. Es gibt Frauenbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte, Quotenregelungen, selbst in der Sprache dürfen sich Frauen inzwischen gleichberechtigt vertreten sehen. Den Problemen, die Frauen haben – egal welche – wird Respekt entgegengebracht: es wird betont, dass man sie ernst nimmt.

Dabei merkt noch jeder, dass diese Anerkennung in merkwürdigem Kontrast dazu steht, wie es den allermeisten Frauen nach wie vor tatsächlich geht. Ein paar Hinweise:

  • Nach wie vor sind Frauen in höheren Berufen, wie es so schön heisst, „unterpräsentiert“, Quote hin oder her.
  • Wenn ein Arbeitgeber Frauen schlechter bezahlt, darf er vor Gericht nicht das Geschlecht als Grund nennen. Das gilt dann als Diskriminierung und ist verboten; die schlechtere Bezahlung an „Frauenarbeitsplätzen“ und in „Frauenberufen“ gibt es weiter.
  • Überall gibt es staatlich geförderte Frauenhäuser; Eheterror und Prügelszenen sind ebenso wenig beseitigt wie die ruinöse Doppelbelastung durch Kindererziehung und Beruf.
  • Härtere Strafen für Vergewaltigung führen nicht dazu, dass die Vergewaltiger aussterben.

Usf.

Dafür, dass solche Probleme trotz rechtlicher Gleichstellung weiterhin auftreten, kursiert auch schon eine Erklärung: Hier wirken angeblich Vorurteile weiter. Die seien es, die verhindern, dass Frauen die ihnen von Rechts wegen zustehende gesellschaftliche Stellung erlangen. Solche „alten Verhaltensmuster“ müsste man, so heisst es, nur noch beseitigen, dann wäre die Sache der Frau schon auf dem rechten Weg. Dabei fällt auf:

Erstens scheinen diese „Verhaltensmuster“ ziemlich hartnäckig zu sein. Noch soviel gut gemeinte Aufklärung, noch soviel Anstrengungen, den Frauen die ihnen zustehende Wertschätzung zu verschaffen, scheint da wenig zu bewirken. Warum ist das so?

Zweitens herrscht gar nicht Einigkeit darüber, wie die zur Frau „passende“ gesellschaftliche Stellung eigentlich auszusehen hätte, wofür die Frau denn wertgeschätzt werden sollte. Ob da mehr die Gleichheit oder die Differenz zu „Männern“ im Vordergrund stehen sollte, ob besondere „weibliche“ Eigenschaften und Leistungen anzuerkennen sind oder eher die Fähigkeit von Frauen, wie Männer ihren Mann im Berufsalltag zu stehen – darüber wird munter in Talkshows und Uni-Seminaren gestritten. Aber vielleicht ist ja schon die Frage verkehrt?

Gegen die Behauptung einer immer noch fehlenden „echten Gleichberechtigung“ und einer „Diskriminierung der Frau“ sollen im Vortrag folgende Gegenthesen entwickelt werden:

Erstens: Die Forderung nach Gleichberechtigung geht an den Gründen für die Schlechterstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ebenso vorbei wie an den Gründen für die unschönen Formen, die das Leben zu zweit gelegentlich annimmt. Dass die rechtliche Gleichstellung die Lage der meisten Frauen nur unwesentlich verbessert, liegt daran, dass die rechtliche Ungleichheit gar nicht der Grund für diese Lage ist.

Zweitens geht auch die Auffassung an der Sache vorbei, die „Diskriminierung der Frau“ läge am Weiterbestehen eigentlich längst überholter „Verhaltensmuster“ bei Personalchefs und oder Männern überhaupt. Solche „Vorurteile“ sind vielmehr die zur kapitalistischen Konkurrenz genau passende Geisteshaltung, mit der Mann wie Frau den Leistungsansprüchen von Kapital und Staat unterworfen werden.

Referentin

Prof. Dr. Margaret Wirth ist emeritierte Professorin der Universität Bremen. Sie studierte Geschichte, Wirtschafts- und Politikwissenschaften in München und Berlin.