Jour Fixe: Kritik – Wie geht das?
Achtung, wir mussten die Veranstaltung um eine Woche auf den 10.12 verschieben.
Donnerstag | 10.12.2009 | 19:30 Uhr | Bern | Gewerkschaftshaus | Monbijoustrasse 61 | www.unia-jugend-bern.ch
Kritik scheint ein schwieriges Geschäft zu sein.
Einerseits fehlt es nicht an kritischen Stellungsnahmen, Rundfunk und Fernsehen, Weltwoche und „Blick“, die freie Wissenschaft und die konkurrierenden Parteien machen es sich und ihrem Publikum geradezu zur Pflicht, kritisch zu sein. Eine solche Pflicht erklärt Kritik zu einer Haltung, die immer und überall angebracht und berechtigt sei – als ob es nicht ein wenig davon abhinge, was man vor sich hat, wenn man Einwände vorbringt. Kritik wird zu einer subjektiven Einstellung, die man sich zulegt oder nicht, zu einer Art Voreingenommenheit zurückgenommen, die sich gar nicht mehr aus der Kritikwürdigkeit des Gegenstands begründet, auf den sich der kritische Geist richtet.
Andererseits ist mit der Allgegenwart kritischer Einstellungen die begründete Ablehnung einer Sache – jenes theoretische Handwerk, das den Namen ‚Kritik’ verdient – so gut wie ausgestorben. An ihre Stelle tritt der Brauch, Gott und die Welt mit Verbesserungsvorschlägen zu überschütten. Rechte, linke und ganz normale Bürger üben sich in der Disziplin der konstruktiven Kritik, ganz als ob es logisch und zwingend wäre, dass aus Einwänden niemals die Ablehnung des Kritisierten, sondern stets dessen Vervollkommnung zu folgen hätte. An allem, woran kritisch denkende Zeitgenossen Anstoss nehmen, wollen sie hilfreich mitwirken – wirklich an allem!
Die Medien kritisieren das Ungeschick unserer Aussenpolitiker bei der Bekämpfung des Klimawandels oder die Unfähigkeit des Sozialpolitiker, die Lage der Armen zu verbessern, auch wenn die das gar nicht versuchen. Professoren, Journalisten, Oppositionelle beteiligen sich in kritischer Solidarität an den „Problemen“ des Staatshaushalts und der Krisenbewältigung – um ausgerechnet beim Wetter, wo es nichts zu kritisieren gibt, hemmungslos kritisch zu werden.
Im demokratischen Zeitalter kritisieren die Menschen immerzu. Aber sie wissen nicht, wie es geht. In der Veranstaltung soll dargelegt werden, was sie verkehrt machen, so dass ihre Kritik regelmässig entgleist und immer wieder bei der Bekräftigung des Kritisierten landet.









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