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Das Kapital lesen!

7 März 2010 3 Kommentare Tags:

Donnerstag | 7. Oktober | 19.30 Uhr | Bern | Gewerkschaftshaus | Monbioustrasse 61 | www.unia-jugend-bern.ch

Einladung zum gemeinsamen monatlichen Studium des Klassikers von Marx.

1. Treffen mit Einführung: Was von Marx zu lernen wäre: Alles nötige über Arbeit und Reichtum im Kapitalismus

Linke zählen den Theoretiker des 19. Jahrhunderts, dessen Gedanken einmal die Welt bewegt haben, zu ihrem Traditionsbestand, seine Schriften aber kennen sie nicht mehr. Marx ist heute ein toter Hund. Umso mehr als man ihn an Universitäten, sofern man sich seiner erinnert, höflich ins geistesgeschichtliche Erbe eingemeindet – und zwar als einen Grossen: Ein grosser Philosoph soll er gewesen sein, dem es nach Hegel noch einmal gelungen sei, dialektisch zu denken; ein grosser Soziologe, der ein System gebastelt habe, in dem die Gesellschaft von der materiellen Basis bis zum Überbau der Ideen auf ein einziges Prinzip gebracht ist, ein grosser Prophet, der die Globalisierung früh vorhergesehen habe, ein grosser Utopist, der sich eine schöne bessere Welt ausgedacht haben soll.

Dass Marx selbst, wenn er gefragt würde, nichts von dem genannten Grossen vollbracht haben wollte, ja sich dieses Lob verbitten würde, kann seine geistesgeschichtlichen Freunde nicht bremsen… Sie verzeihen ihm ja sogar, dass er Kommunist gewesen ist. Er selbst sah seine Leistung einzig und allein in dem, was der Untertitel seines theoretischen Hauptwerkes ankündigt: in der “Kritik der politischen Ökonomie” des Kapitalismus. Marx war, wenn irgendetwas, Ökonom. Die Wirtschaftswissenschaften allerdings haben keine gute Erinnerung an diesen Klassiker, ja eigentlich überhaupt keine. Kein Wunder. Schliesslich hat er nicht nur die menschenfeindliche und absurde Rationalität dieses Wirtschafsystems aufs Korn genommen, das sie so vernünftig finden, er hat auch ihre verständnisvollen Theorien darüber wider- und zerlegt.

An dem Kapitalismus, den Marx in der Phase seines Entstehens analysierte und kritisierte, hat sich seit seinen Tagen dies und das, aber nichts Wesentliches geändert. Immer noch ist die Vermehrung des Geldes der beherrschende Zweck, für den gearbeitet wird – und das ist keineswegs ein geschickter Umweg zur besseren Befriedigung der Bedürfnisse; noch immer sind die arbeitenden Menschen Kostenfaktor, also die negative Grösse des Betriebszwecks; noch immer findet die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der grössten Quelle des materiellen Reichtums, ausschliesslich statt, um Löhne zu sparen und Arbeitskräfte zu entlassen – also um den Arbeiter ärmer zu machen.

Wegen dieser Aktualität, und nur wegen ihr, verdient es der längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit heute zu erklären. Das will der Vortrag anhand von Zitaten aus dem ersten Kapitel von “Das Kapital” Band 1,”Die Ware” demonstrieren. Angeboten werden ungewohnte Gedanken über Gebrauchswert und Tauschwert, konkrete und abstrakte Arbeit, Geld und Nutzen, Arbeit und Reichtum – paarweise Bestimmungen, die unsere moderne Welt nicht mehr auseinander halten kann, während sie tatsächlich die härtesten Gegensätze enthalten. Der Vortrag wird einführen in “Das Kapital” und für eine längerfristige Kapital-Lektüre werben, zu der sich gerade ein für alle Interessierte offener Lesekreis bildet.

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