Die Webseite der Unia Jugend Oberwallis ist online gegangen, und ist unter folgender Adresse erreichbar:
Samstag | 7.11.2009 | 13:30 Uhr | Bern | Gewerkschaftshaus | Monbijoustrasse 61 | www.unia-jugend-bern.ch
1. Wahlen gelten als Herzstück der Demokratie – durch sie zeichnet sich diese Staatsform vor allen anderen aus. Wahlen, so heisst es, legitimieren die Ausübung der politischen Macht. In der Demokratie wird nicht einfach regiert – das Volk erteilt per Abstimmung höchstförmlich den Auftrag zur Wahrnehmung der Staatsgeschäfte.. Die Regierung beruft sich bei ihrer Amtsführung auf den Willen des Volkes, da sich ihre Vollmachten der Entscheidung der Wähler verdanken.
Ja, so geht es zu in dieser Staatsform. Eine solche Kennzeichnung dessen, was bei Wahlen geschieht, gilt allerdings üblicherweise nicht einfach als Feststellung – sie kommt als Kompliment an die Herrschaftsform namens Demokratie daher. Der Bürger und Wähler darf und soll sich freuen, dass er in einem Land lebt, wo man wählen darf – und am besten gleich deshalb wählen gehen, weil er es darf. Für das Wahlrecht wird die Demokratie geschätzt und gelobt; sie verleiht der demokratischen Herrschaft ihr besonderes Gütesiegel. Das unterscheidet sie zum Guten von Ländern, in denen die Herrschaft ihr Volk nicht ordentlich oder gar nicht wählen lässt: Da, so hört man, herrschen üble, menschenfeindliche Verhältnisse.
2. Vom Wählendürfen soll also abhängen, was das Volk von seiner Regierung hat. Besonders glaubwürdig ist dieses Lob der Wahl nicht – schon ein oberflächlicher Blick auf das wirkliche Procedere von Wahlen und Wahlkämpfen könnten Zweifel daran aufkommen lassen, ob es sich dabei wirklich um eine so menschenfreundliche Veranstaltung handelt. Und in der Tat kursieren neben der guten Meinung über die Wahl auch jede Menge abgrundtief schlechter Meinungen über diese Veranstaltung:
- Da heisst es etwa, den Politikern ginge es in der Wahl doch sowieso nur um die Macht …
- Befragte Bürger geben sich skeptisch, ob sich durch Wahlen überhaupt etwas ändere …
usw. Trotzdem: Kein guter Bürger möchte sich diese Veranstaltung nehmen lassen, und die Regierenden lassen sie regelmässig immer wieder mit viel Aufwand stattfinden.
3. Diesem Hin und Her zwischen guter und schlechter Meinung über die Wahl soll sich in der Veranstaltung nicht angeschlossen werden. Vielmehr sollen folgende Fragen besprochen und diskutiert werden:
a) Was wird eigentlich der Sache nach in Wahlen „legitimiert“? Und was bedeutet überhaupt „Legitimation“? Inwiefern, in welcher Hinsicht ändert Herrschaft ihren Charakter, wenn das Volk die Amtsträger mit dem Regieren beauftragt?
b) Wie findet diese eigentümliche „Beauftragung“ der Regierenden praktisch statt? Wie ist der „Volkswille“ beschaffen, der in Wahlen als Souverän tätig wird? Welchen Inhalt hat die Stimme, die sich mit einem Kreuz auf dem Wahlzettel zu Wort meldet?
c) Was ist „das Volk“ überhaupt für eine politische Einheit? Wie ist es in Wahlen als Entscheidungsinstanz gefragt – und wer entscheidet sich da zu was?
Mit der Klärung dieser Fragen soll sich zugleich ergeben, wem Wahlen tatsächlich nutzen – und wer besser daran täte, sich weder geistig noch praktisch mit der Frage behelligen zu lassen, von wem er regiert werden will.
Referentin: Prof. Dr. Margaret Wirth ist emeritierte Professorin der Universität Bremen. Sie studierte Geschichte, Wirtschafts- und Politikwissenschaften in München und Berlin.
Donnerstag | 8.10.2009 | 19:30 Uhr | Bern | Gewerkschaftshaus | Monbijoustrasse 61
Frauen im Kapitalismus: Gleich berechtigt, anerkannt und kein bisschen besser dran.
Donnerstag | 5.November | 20 Uhr | Bern | Hotel Bern (Lage) | www.unia-jugend-bern.ch
So ziemlich alle Welt ist sich einig: Um Frauen muss sich in unserer Gesellschaft besonders gekümmert werden; dieser Teil der Menschheit benötigt eine besondere Betreuung. Die wird ihr auch lebhaft zuteil: Noch jede gesellschaftliche und politische Organisation lobt sich dafür, Frauen besondere Berücksichtigung zuteil werden zu lassen. Es gibt Frauenbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte, Quotenregelungen, selbst in der Sprache dürfen sich Frauen inzwischen gleichberechtigt vertreten sehen. Den Problemen, die Frauen haben – egal welche – wird Respekt entgegengebracht: es wird betont, dass man sie ernst nimmt.
Dabei merkt noch jeder, dass diese Anerkennung in merkwürdigem Kontrast dazu steht, wie es den allermeisten Frauen nach wie vor tatsächlich geht. Ein paar Hinweise:
Usf.
Dafür, dass solche Probleme trotz rechtlicher Gleichstellung weiterhin auftreten, kursiert auch schon eine Erklärung: Hier wirken angeblich Vorurteile weiter. Die seien es, die verhindern, dass Frauen die ihnen von Rechts wegen zustehende gesellschaftliche Stellung erlangen. Solche „alten Verhaltensmuster“ müsste man, so heisst es, nur noch beseitigen, dann wäre die Sache der Frau schon auf dem rechten Weg. Dabei fällt auf:
Erstens scheinen diese „Verhaltensmuster“ ziemlich hartnäckig zu sein. Noch soviel gut gemeinte Aufklärung, noch soviel Anstrengungen, den Frauen die ihnen zustehende Wertschätzung zu verschaffen, scheint da wenig zu bewirken. Warum ist das so?
Zweitens herrscht gar nicht Einigkeit darüber, wie die zur Frau „passende“ gesellschaftliche Stellung eigentlich auszusehen hätte, wofür die Frau denn wertgeschätzt werden sollte. Ob da mehr die Gleichheit oder die Differenz zu „Männern“ im Vordergrund stehen sollte, ob besondere „weibliche“ Eigenschaften und Leistungen anzuerkennen sind oder eher die Fähigkeit von Frauen, wie Männer ihren Mann im Berufsalltag zu stehen – darüber wird munter in Talkshows und Uni-Seminaren gestritten. Aber vielleicht ist ja schon die Frage verkehrt?
Gegen die Behauptung einer immer noch fehlenden „echten Gleichberechtigung“ und einer „Diskriminierung der Frau“ sollen im Vortrag folgende Gegenthesen entwickelt werden:
Erstens: Die Forderung nach Gleichberechtigung geht an den Gründen für die Schlechterstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ebenso vorbei wie an den Gründen für die unschönen Formen, die das Leben zu zweit gelegentlich annimmt. Dass die rechtliche Gleichstellung die Lage der meisten Frauen nur unwesentlich verbessert, liegt daran, dass die rechtliche Ungleichheit gar nicht der Grund für diese Lage ist.
Zweitens geht auch die Auffassung an der Sache vorbei, die „Diskriminierung der Frau“ läge am Weiterbestehen eigentlich längst überholter „Verhaltensmuster“ bei Personalchefs und oder Männern überhaupt. Solche „Vorurteile“ sind vielmehr die zur kapitalistischen Konkurrenz genau passende Geisteshaltung, mit der Mann wie Frau den Leistungsansprüchen von Kapital und Staat unterworfen werden.
Referentin
Prof. Dr. Margaret Wirth ist emeritierte Professorin der Universität Bremen. Sie studierte Geschichte, Wirtschafts- und Politikwissenschaften in München und Berlin.
Neu sind alle aktuellen Termine der Unia Jugend Bern unter dieser Seite auf einen Blick zu besichtigen:

Über die Verrohung von Jugendlichen:
Der Kult des Selbstbewusstseins und seine unerwünschten Früchtchen
Die Übergriffe von München waren kein Einzelfall. Immer neue Rohheiten werden dem fassungslosen Schweizer Publikum vorgelegt. Bei jeder neuen Brutalität stürzt sich die Öffentlichkeit erneut auf das Thema. Beliebtester Tenor: „Schluss mit der Kuscheljustiz der Schweiz. Hier hilft nur noch Wegsperren, militärischer Drill und Ausweisen. ,Kurzer Prozess’ gehört sich mit diesen Rechtsbrechern mit und ohne „Migrati-onshintergrund“ gemacht. Wer nicht hören will, muss fühlen; und das schnell, dauerhaft und gnadenlos….“
Gedanken über Art und Grund der Verwahrlosung von in- und ausländischen Kids – Fehlanzeige. Dass dieser schlägernde Nachwuchs häufig noch aus den „bildungsfernen Schichten“ kommt, dass er nicht selten mit dem Realschul- oder gar keinem Ausweis aus der Schulpflicht entlassen wird und seine Lebensperspektive folglich zwischen schlecht bezahlten Jobs und Arbeitslosigkeit liegt, wird dabei gar nicht verschwiegen.
Einen gesellschaftlichen Grund will darin dennoch niemand sehen. Eher schon will man Familien, Erzieher, Jugendämter und Richter für ein Versagen haftbar machen: Ihnen soll es an Härte in der Erziehung, Betreuung und Verurteilung mangeln. Besonders, wenn die Täter auch noch aus der “Mittelschicht” stammen, wie im Münchner Fall. Natürlich stehen auch die Killergames wieder am Pranger. Das war es dann: Der starke Staat soll‘s richten. Wie? Natürlich mit dem vermehrten Einsatz seiner Staats-Gewalt.
Das geht mit Sicherheit an der Sache vorbei: Denn wo auf der einen Seite immer grössere Teile der Jugend vom Reichtum der Gesellschaft ausgeschlossen werden und als Ausschuss ausgegrenzt werden, wo auf der anderen Seite Anerkennungswahn und Selbstbewusstseinskult zum nationalen Erziehungsprogramm gehören, da sollte man sich über Jugendliche nicht wundern, die ihrem eingebildeten Recht auf Erfolg mit Gewalt Nachdruck verleihen: „Wir wollten auch mal mächtig sein!“, verkünden sie. Auch das haben sie nämlich in dieser Gesellschaft gelernt: Als Gewinner gilt hierzulande nur der, der andere zu Verlierern macht – mit welchen Roh- und Gemeinheiten auch immer.
Referent:
Dr. Freerk Huisken ist emeritierter Professor der Universität Bremen. Er ist Politologie, Psychologe und Erziehungswissenschaftler.
Stimmt, Schule macht dumm. Das spricht aber nicht für ein Versagen der Schule, sondern gehört zu ihrem Auftrag. Dummheit ist nicht das, was man nicht gelernt hat an Wissensinhalten, fehlendes Wissen kann man sich aneignen, wenn man will. Dumm ist, was man in der Schule lernt. z.B. Wahlen für die Methode der Einflussnahme des Bürgers auf die Politik zu halten, obwohl man praktisch immerzu das Gegenteil mitkriegt; dass es nur von einem selbst abhängt, was aus einem wird, obwohl man ganz unabhängig von seiner Leistung rausgeworfen wird; sich bei der Politik zu beschweren, wenn die eigenen Interessen nicht so aufgehen, obwohl die ersichtlich gar nicht zufällig so vorgeht.