Buchtipp
Buchpräsentation mit Wendula Dahle und Wolfgang Leyerer (Universität Bremen)
Nach dem Untergang der DDR wurde Brecht als “deutscher” Dichter neu entdeckt und anläßlich des 100. Geburtstags 1998 und seines 50. Todestages 2006 als Kulturgut in die “gesamtdeutsche Geschichte”, in die “Vaterstadt Augsburg”, in die Schuldidaktik eingemeidet. Dafür wurde seine Gesellschaftskritik negiert, umgedeutet oder entschuldigt.
Wie geht die Vereinnahmung Brechts in den deutschsprachigen Kulturbetrieb, wo doch die Maßstäbe “Antikommunismus” bzw, “Anti-DDR-Sein” immer noch virulent sind? Was lassen seine heutigen Bewunderer dabei außer Acht oder deuten es um und was steht tatsächlich in den so vereinnahmten Werken?
Holger Zweifeld am 25.08.2008 auf Radio Z Nürnberg mit einer Rezension des Buches “Rolf Gloel / Kathrin Gützlaff: Gegen Rechts argumentieren lernen”
“Rechte Parolen und Taten müssen als das ernst genommen werden, was sie sind – Äußerungen einer politischen Gesinnung, die man nicht einfach durch Verbote aus der Welt schaffen kann. Es gilt, jüngeren wie älteren Anhängern rechtsradikaler Gedanken brauchbare und stichhaltige Argumente gegen Rassismus und Nationalismus nahe zu bringen. Rolf Gloël und Kathrin Gützlaff wollen mit ihrem Buch diese Auseinandersetzung befördern.”
[hören bei Radio Z] [weiter beim VSA-Verlag] [Gefunden bei contradictio]
»Wenn sich das Bürgertum gerne ›großer Schlachten‹ erinnert, (…) warum besinnt sich nicht die Arbeiterklasse auf ihr historisches Kampffeld, den Streik? Denn dabei handelt es sich um Geschehnisse, die von Engagement und Zusammenhalt zeugen, voller Leidenschaft, Opferbereitschaft und Tragik sind und ihre Heldinnen und Helden genauso kennen wir ihre Teufel«. (Aus dem Vorwort von »Die großen Streiks«)
Schon mal vom September- und Oktoberstreik 1950 in Österreich gehört? Oder von Streiks und Hungermärschen in Deutschland kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs? Kaum jemandem, auch in der Linken, dürften diese Ereignisse bekannt sein. Das wundert Holger Marcks und Matthias Seiffert, die Herausgeber des neuen Sammelbandes »Die großen Streiks. Episoden aus dem Klassenkampf« wenig: Denn Streiks gehören – im Gegensatz zu Kriegen – nicht unbedingt zu dem, was in der offiziellen Geschichtsschreibung einen besonderen Stellenwert innehat. Nur einige wenige Streiks, wie etwa der »Solidarnosc«-Streik 1980 in Polen, fanden Eingang in die Geschichtsbücher und wurden umfassend dokumentiert.
Ausgehend von der ärgerlichen Frage, warum täglich 100.000 Menschen an den Folgen von Unterernährung sterben und angesichts der verbreiteten Gewissheit, dass hieran auch die Millenniumsziele der UNO nichts ändern werden, wird in dem vorliegenden Buch die Frage nach dem Grund gestellt.
