Kultur
Der Bruder von Kool Savas rappt. Die Texte sind wesentlich politischer. Was viele nicht wissen, der Vater von den beiden wurde in der Türkei wegen seiner kommunistischen Gesinnung verfolgt. Darum musste die Familie fliehen.
[MySpace von Sinan] [Weiteres Lied von Sinan: Unendlicher Zorn]
Zwei ältere Interviews mit Banda Bassotti aus der Jungen Welt.
“In unserer Seele sind wir Piraten”
Interview: Katja Herzberg
Was machen die Söhne von The Clash und The Specials heute? Ein Gespräch mit Banda Bassotti:
Banda Bassotti hat neun Mitglieder. Wie es sich für ein echtes Kollektiv gehört, sind alle gleichberechtigt, weshalb die Band als Gruppe spricht.
Die Banda Bassotti ist mehr als eine Musikgruppe. Zu Beginn der 80er Jahre habt ihr Solidaritätsaktionen organisiert, aus denen die Band entstanden ist. Hat sie eure Motivation über die Jahre verändert?
Es hat sich nichts geändert. Natürlich vergehen die Jahre, die Familien wachsen, und mit 20 Jahren auf Tour zu gehen ist sicherlich etwas anderes als mit 45 oder 50 Jahren. Aber Touren gefällt uns trotzdem immer noch sehr gut. Wir richten unsere Lieder an Arbeiter, Ausgebeutete und Arbeitslose. Wo auch immer wir in der Welt unterwegs sind, kommen die auf unsere Konzerte. Die Leute wollen in Würde leben und arbeiten. Das zu transportieren ist noch immer unsere Motivation.
Die Musik ist immer ein Übertragungsmittel der Forderung nach Freiheit gewesen. Linke Musik wurde in den 70er Jahren in Italien von Liedermachern und chilenischen Folkbands wie Inti Illimani oder Quilapayun geprägt. Danach kamen dann The Clash, Rage Against The Machine, die Asian Dub Foundation und vielleicht auch wir. Das war zwar ganz andere Musik, die aber dasselbe wollte: eine ganz andere Gesellschaft.
Kann Musik überhaupt etwas bewirken?
Wir können nicht sagen, daß die Musik etwas verändert hätte, aber sie war die Tonspur zu den Kämpfen, sie hat neue Ideen in die Köpfe junger Menschen getragen. Sie hat zur Weiterentwicklung der Kultur beigetragen.
In den 80er Jahren habt ihr eure Musik als »Combat-Rock« bezeichnet. So hieß auch das vorletzte Album der Clash, und das ist mittlerweile auch schon wieder mehr als 20 Jahre her.
Wir sagen immer, daß wir Söhne von The Clash und The Specials sind. Aber wir sind beeinflußt von Tausenden Stilen. Musik ist glücklicherweise vielfältig, und jeder von uns hört alles. Wir sind mit Sicherheit mit Punk, Ska und südamerikanischer Musik verbunden und glauben, daß man das auch in unserer Musik und in den Texten hört. Letztlich ist unsere Musik aber Banda Bassotti.
Zu Weihnachten habt ihr auf eurer Myspace-Internetseite einen ersten Titel aus dem neuen Album eingestellt. Der Song heißt »Cuore malato«, in dem ihr die EU kritisiert.
Die Italiener sind ein Volk von Einwanderern gewesen. Die USA, Deutschland, die Schweiz, Belgien, in all diese Länder sind sie von 1900 bis nach dem Zweiten Weltkrieg gegangen, um Arbeit zu suchen. Sie wurden behandelt wie Wesen zweiter Klasse. Man hat sie ausgebeutet und ihre Namen verändert. Heute kommen die Menschen aus den armen Ländern nach Italien und in die EU, um ein besseres Leben zu finden – wie die Italiener damals, die diese Leute nun genauso furchtbar behandeln, wie sie damals selbst behandelt wurden.
Seit anderthalb Jahren ist die Berlusconi-Ära zu Ende. Ist das Leben in Italien jetzt freier geworden?
Die Mitte-Links-Regietrung unter Prodi macht dieselbe Politik wie die Mitte-Rechts-Regierung unter Berlusconi. Ob sich das Leben für die Menschen verbessert hat, die mit 1000 Euro im Monat leben und eine Miete von 700 Euro zu zahlen haben, wagen wir zu bezweifeln. Die Politiker haben keinen Kontakt zum realen Leben. Der alltägliche Einkauf, Miete bezahlen, die Schulbücher für die Kinder – das alles kennen sie nicht. Die Mehrheit der Politiker ist für uns der Abschaum der Menschheit. Sie leben in einem Meer von Geld, während die Leute nicht mal bis zum Monatsende kommen.
Verkauft ihr mit eurer Plattenfirma »Gridalo Forte Records« überhaupt noch CDs?
Es wird Zeit, zu schließen. Das Label ist entstanden, um denen eine Stimme zu geben, die sie sonst nicht bekommen. Heute ist das nicht mehr nötig. Alle können sich im Internet darstellen. Das Label hat seine Geschichte gehabt. CDs verkaufen sich nicht mehr, alle laden sie aus dem Internet herunter. Wir treten in Buenos Aires auf – und ein ganzer Platz singt. Wir spielen in Europa und Japan – und alle singen unsere Lieder. Das heißt, daß alle die Musik runterladen. In unserer Seele sind wir Piraten. Deshalb sagen wir, daß es so in Ordnung geht. Livespielen, Leute treffen, Geschichten kennenlernen – das ist, was wir wollen.
Quelle: jungewelt.de
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“Wir spielen, wo was los ist”
Interview: Harald Neuber
»Liebe die Musik, hasse den Faschismus«, heißt das Motto der italienischen Ska-Combo Banda Bassotti. Am vergangenen Wochenende spielte die Banda auf der XIII. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz. Wir sprachen mit dem Leadsänger Picchio, mit David und Sigaro (Gitarre, Gesang).
Wie war das mit eurem Namen?
Picchio: Banda Bassotti – das sind die Panzerknacker aus den Disney-Comics. Die Jungs also, die immer versuchen, den Multimilliardär Dagobert auszurauben. Ziemlich antikapitalistisch.
Sigaro: Dabei stammt der Name gar nicht von uns. Als wir angefangen haben, hatten wir keinen Namen. Die Leute haben uns so genannt. Es hieß dann: »Hey, da kommt die Banda Bassotti.« Wir fanden das super.
Warum hattet ihr keinen Namen?
David: Naja, weil wir eigentlich gar nicht vorhatten, Musik zu machen. Als wir angefangen haben, waren wir einfach vier Kumpels, die zusammen politisch aktiv waren …
Picchio: … wir haben in Solibewegungen gearbeitet, mit Palästina, Kuba und anderen Völkern …
David: … und die Musik hat den Leuten offenbar gefallen. Auf einmal haben wir immer mehr Einladungen bekommen. 1989 dann haben wir uns als Gruppe gegründet. Es kamen mehr Leute dazu. Und heute sind wir fast ein Dutzend.
Auf der letzten Buchmesse in Havanna waren die Kubaner von eurer Version des Liedes »Que linda es Cuba« begeistert. Wir sind jedes Jahr dort und haben gesagt: Die laden wir ein! Wie gefällt euch die Rosa-Luxemburg-Konferenz?
Picchio: Das ist jetzt kein Spruch, aber wir finden sie super. Es ist voll, es sind superviele Leute da. Und wenn ich es richtig verstanden habe, sind die meisten Leser eurer Zeitung. Ich glaube, daß es eine solche Konferenz nicht in vielen Teilen der Erde gibt; eine so politische Konferenz, die von einer sozialistischen Zeitung organisiert wird. Wir finden das wichtig und sind echt froh, hier zu sein.
Gibt es nichts Vergleichbares in Italien?
David: Leider nicht. Die Zeitung L’Unità organisiert zwar auch eine Art Pressefest. Aber dabei gibt es ziemliche Mobilisierungsprobleme, selbst bei den eigenen Lesern.
Das Traditionsblatt wurde ein Jahr nach dem Bankrott 2001 wieder aufgelegt. Damals hieß es kritisch, das einzig Rote an der Zeitung sei das Apostroph zwischen dem L und dem U im Namen.
David: Das mag zu dem Problem beitragen. Die wirklich großen Festivals, auf denen wir waren, haben nicht in Italien stattgefunden. Letztes Jahr waren wir in Athen auf dem Festival der Kommunistischen Partei Griechenlands. Das war super. Und vor drei Jahren, glaube ich, waren wir in Portugal auf dem Fest der dortigen KP. Eine riesige Veranstaltung! Wir spielen eben dort, wo etwas los ist.
Sigaro: In Italien gibt es da leider ein paar Probleme. Die KP in Portugal liegt, wenn ich mich richtig erinnere, stabil bei 15 Prozent. In Italien ist die Linke total zersplittert.
Picchio: Das Absurde ist, daß sich die Parteien voneinander abgrenzen wollen und so zu Sektierern werden. Wir erleben das immer wieder. Weil wir uns natürlich auch positionieren, erscheint in manchen linken Blättern nichts über uns. Es kam vor, daß wir vor Zehntausenden in Rom gespielt haben, und am nächsten Tag gab es in Teilen der linken Presse noch nicht einmal eine Meldung.
David: Das trifft eben auch auf Il Manifesto zu, ein linkes Blatt, das sich als unabhängig bezeichnet.
Picchio: Wir haben es schon fast leichter, in die bürgerliche Presse zu kommen.
Eigentlich setzt ihr aber nicht auf Parteien.
Picchio: Richtig aktiv sind wir in den sozialen und politischen Bewegungen. Gegen die G 8 zum Beispiel. Während der Proteste gegen den G-8-Gipfel in Genua 2001 haben wir überall gespielt.
Das war der Gipfel, auf dem Carlo Giuliani von einem Carabiniere durch einen Kopfschuß getötet wurde.
Picchio: Wir sind bis heute mit der Familie von Carlo in Kontakt. Aber der Gipfel hat bis heute Nachwirkungen. Es gibt noch immer Prozesse gegen Demonstranten von damals, die als Terroristen verurteilt werden sollen. Das ist unser Erbe aus der Zeit von Berlusconi, die zum Glück vorbei ist.
Was bedeutet der Name Carlo Giuliani heute in Italien?
Picchio: Er bedeutet Widerstand gegen die Staatsmacht. Widerstand auf eine bestimmte, sehr entschiedene Art. Carlo Giuliani war nicht das erste Opfer eines staatlichen Mordes. Und leider müssen wir davon ausgehen, daß er nicht das letzte Opfer war. Dieser G-8-Gipfel aber war nicht nur wegen des Mordes ein Einschnitt. Damals wurden Hunderte Leute festgenommen, interniert und mißhandelt. Es waren Szenen, wie wir sie in Italien nicht mehr für möglich gehalten haben. Wir kannten sie aus den Aufnahmen, die nach dem 11. September 1973 in Santiago de Chile gemacht wurden.
David: Was damals geschehen ist, hat auch in der Polizei Folgen gehabt. Einige haben den Dienst quittiert, andere wurden versetzt oder suspendiert. Besonders die stundenlange Folter von Inhaftierten in der Diaz-Schule hat im Apparat, glaube ich, einigen die Augen geöffnet.
Wie ist es mit der G-8-Bewegung seither weitergegangen?
David: Die Leute sind nach wie vor aktiv. Vor kurzem erst gab es bei Verona in Venetien eine große Demonstration gegen Militarisierung, an der über zehntausend Menschen teilnahmen. Dort wurde gerade ein NATO-Stützpunkt aufgelöst, und die Militärbasis soll nun von den USA übernommen werden. Dagegen haben die Menschen protestiert.
Picchio: Ein Problem sind aber die Medien. Über die politischen Zeitungen habe ich ja schon gesprochen. Darüber hinaus sind fast alle Medien in der Hand einiger weniger Konzerne. Berlusconi ist dabei führend. Der politische Widerstand gegen Militarisierung und Ausbeutung steht dieser Konzernmacht entgegen.
Quelle: jungewelt.de
Ein Gedicht von Erich Mühsam, das schon etwas betagt in den Beispielen daher kommt vom Prinzip her aber (leider) immer noch richtig ist. Vertont wurde es von Dieter Süverkrüp.
